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Nr. 47

Projekt Kiekpadd

Natursehenswürdigkeiten im gesamten Landkreis Wesermarsch stellt das Projekt Kiekpadd vor.

Solitäre Bienen und Wespen am Haus

Im Gegensatz zu staatenbildenden Hautflüglerarten wie Honigbiene, Hummeln und sozialen Faltenwespen sind die solitären Bienen (auch Wildbienen genannt) und solitären Wespen (Grabwespen, Wegwespen, solitäre Faltenwespen) weitgehend unbekannt. Dies liegt einerseits daran, dass sie normalerweise in erheblich geringeren Individuenzahlen auftreten, da sie keine Staaten mit einer Königin und vielen Arbeiterinnen bilden, andererseits an ihrer großen Artenvielfalt. Neben stattlichen Exemplaren gibt es unscheinbare Arten, die von Unkundigen leicht mit Fliegen verwechselt oder überhaupt übersehen werden. Alle diese Arten sind ungefährlich und greifen den Menschen nicht an.

Von den Bienen unterscheiden sich die Wespen dadurch, dass sie ihre Brut mit tierischer Nahrung versorgen. Wie bei den solitären Bienen gibt es auch bei ihnen Spezialisten, die sich auf ein bestimmtes Nahrungsspektrum beschränken. So gibt es Fliegen-, Raupen- und Zikadenjäger, die Wegwespen tragen Spinnen in ihre Nester ein. An die gelähmte Beute wird das Ei abgelegt, und nach dem Schlüpfen ernährt sich die Larve selbständig von den zunächst noch lebenden Beutetieren.

Solitäre Bienen und Wespen nisten bevorzugt an warmen und trockenen Standorten. Je nach Art werden Nester im Boden, in Pflanzenstengeln oder in Totholz angelegt. Ein Nest besteht meist aus einer Reihe von einzelnen Zellen, die jeweils mit Nahrung versorgt, einem Ei belegt und dann verschlossen werden.

Im Siedlungsbereich des Menschen fallen die Nester besonders auf. So graben Bodennister gerne ihre Nester in den Zwischenräumen von Pflastersteinen. In diesem Falle sollte man darauf achten, dass die Häufchen mit dem Sandaushub am Nesteingang nicht entfernt werden. Die Tiere benötigen den Sand nämlich nach Fertigstellung des Nestes zum Verschluss der Neströhre. Auf diese Weise entstehen keine größeren Hohlräume unter der Pflasterung. In sonnigen trockenen Gartenbereichen sollte man z. B. Beet- oder Wegränder unbearbeitet lassen, um das Anlegen von Nestern zu ermöglichen.

Bienen- und Wespenarten, die nicht im Boden nisten, können ihre Nester an der Sonnenseite von Gebäuden anlegen. Voraussetzung ist dafür das Vorhandensein von passenden Hohlräumen. So werden Nester gerne im Holz von altem Fachwerk, in lockerem Mörtel, in Lehmwänden oder auch in Öffnungen von Fensterrahmen angelegt. In recht großer Anzahl können hier Mauerbienen auftreten, die ihre fertigen Neströhren mit Lehmpfropfen verschließen und sich als effektive Obstbaumbestäuber erweisen.

Besonders spezialisierte Bienen- und Wespenarten nisten in den Halmen der Reetdächer. So kann es zu bestimmten Zeiten bei gutem Wetter zum Massenauftreten dieser Tiere kommen, die vor den Halmenden an der Dachkante herumfliegen und in die Halme hineinschlüpfen. Sie tragen Pollen und Nektar (Bienen) oder Beutetiere (Wespen) als Brutnahrung ein. Nach wenigen Wochen ist der Nestbau beendet, die Halme sind mit Lehm verschlossen und die Tiere verschwunden. In den Halmen und anderen Hohlräumen am Haus entwickelt sich der Nachwuchs, der in den Nestzellen überwintert und im darauffolgenden Frühjahr oder Sommer schlüpft.

Alle diese Bienen- und Wespenarten sind völlig harmlos und richten auch keine merklichen Schäden am Haus oder Reetdach an. Sie nutzen lediglich die vorhandenen Hohlräume für ihre Nester. Dagegen machen sie sich im Garten nützlich durch die Jagd auf Raupen und Fliegen und die Blütenbestäubung.

Martin Gebhardt (Fachdienst Umwelt), 11. 8. 1998

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